Chips, Sensoren und China | Abwehrhaltung und Rückkehr der Industrie

Dach mit Sensoren fuer Autonomes Fahren - Kopie
Dach mit Sensoren fuer Autonomes Fahren - Kopie

China galt die längste Zeit als das Land, aus dem die Technik kommt. Doch das soll sich wieder ändern. Hat das Auswirkungen auf das autonome Fahren?

Der Chipmangel ist auch für die Autoindustrie ein herber Schlag. Er führt zu Produktionsausfällen und verändert die Sicht auf die Dinge. Die Chips braucht man nicht nur für die Navigation, auch die Sensoren brauchen die Halbleitertechnik. Derweil ergreift man in den USA und Großbritannien unterschiedliche Maßnahmen, um die Weichen neu zu stellen. Welche Auswirkungen hat das auf das autonome Fahren?

UK verbietet Techniktransfer nach China

In Großbritannien wird derzeit ein Deal zwischen britischen Akteuren und China blockiert. Dabei geht es um die Vision-Sensing-Technologie, die die Universität von Manchester an das chinesische Unternehmen Beijing Infinite Vision Technology Company Ltd lizenzieren wollte. Diese Lizenzvereinbarung wurde mit Verweis auf den National Security and Investment Act blockiert, der dieses Jahr in Kraft trat.

Die Sensorik erlaubt eine hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit bei geringem Stromverbrauch und eignet sich für das autonome Fahren. Die britische Regierung fürchtet, dass die Technologie in militärischen Drohnen oder Raketen eingesetzt werden könnte. China sieht darin eine Diskriminierung.

USA: Rückkehr der Chipproduktion ins Inland

In den USA setzt man derweil Anreize, die Chip-Produktion wieder ins Inland zu verlegen. Der US-Senat hat am Mittwoch ein Gesetz verabschiedet, das Milliarden US-Dollar für diesen Schritt vorsieht. Das Repräsentantenhaus muss noch zustimmen, das gilt aber als Formalie.

Der sogenannte “CHIPS and Science Act” oder “CHIPS-plus” hält 52 Milliarden US-Dollar an Subventionen für die Halbleiterforschung vor. Allein zwei Milliarden US-Dollar sind für Autohersteller und Lieferbetriebe vorgesehen. Des Weiteren lockt man die Firmen mit einer Steuergutschrift in Höhe von 25 Prozent für derartige Investitionen. Das Gesetz zielt aber nicht nur gegen China, sondern auch gegen Taiwan, Südkorea oder die EU.

Autonomes Fahren und die Chips

Es ist mittlerweile ein geflügeltes Wort, dass das Auto der Zukunft ein Computer oder Smartphone auf Rädern sein wird. Doch ohne Chips wird das ein Problem. Auch in Europa wird die Chipproduktion vorangetrieben, denn China ist wegen des Lockdowns bezüglich Corona und der Diskussion um den Missbrauch der Technik bei dem Ausbau von 5G-Technik in Verruf geraten. Stichwort: Huawei. China hat viel Know-How errungen, denn die westlichen Firmen mussten sich in die Karten schauen lassen, wenn sie in China operieren wollten.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung ist die Halbleiterproduktion ein kritischer Faktor. Die Rückkehr der Blöcke wird diese Situation noch verstärken. Energie könnte nur der Anfang gewesen sein. Die verknüpfte Welt droht auseinandergerissen zu werden. Dabei will man das nur bei Russland sehen, aber auch bezüglich China wird sie diese Frage stellen.

In China wurden viele Techniken aus dem Westen übernommen. Die Produktion ist günstiger als im Westen, das hatte man lange Zeit positiv gesehen. Doch dies geht auch mit einer Unterdrückung einher, die bald nicht mehr auszublenden sein wird. Die Entknüpfung des weltweiten Handels wird auch die autonome Fahrzeug-Branche treffen.

Der aktuelle Trend der Automatisierung von Lkws vollzieht sich vor allem in den USA und in China. So hat Pony.ai jüngst ein Joint Venture mit Sany Heavy Truck gegründet, um bis 2014 Level-4-Lkws mit Hybridmotor zu liefern. Pony.ai ist ein chinesisches Startup, das auch in den USA testet und forscht. Zum Einsatz kommen hier die Chips von Nvidia. Pony.ai will verstärkt in seiner Heimat China investieren. Dies geschieht auch, weil Pony.ai die Testlizenz in Kalifornien verloren hat.

Viele Unternehmen setzen aber auch auf chinesische Hersteller. So nutzen viele Firmen die Baidu-Plattform Apollo. Dazu zählen beispielsweise auch deutsche Hersteller. Der Lidarhersteller RoboSense hat mit seiner Produktion, die günstiger als bei der Konkurrenz sind, einen gewissen Marktanteil errungen. Auch TuSimple, das Unternehmen für die Automatisierung von Lkws, hat chinesische Verbindungen.

Wenn es zu einer Trennung zwischen den Märkten kommt, wird das enorme Auswirkungen auf die Branche des autonomen Fahrens haben. Nicht nur die Lieferketten könnten reißen, auch der politische Wille könnte sich ändern. Denn diese Technik ist auch für das Militär interessant.

David Fluhr

Ich schreibe seit 2011 über das Thema Autonomes & Vernetztes Fahren. Ich habe Sozialwissenschaften an der HU Berlin studiert und bin seit 2012 selbstständiger Journalist. Kontakt: mail@autonomes-fahren.de

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