Wo hapert es beim autonomen Fahren?

Microsoft Fahrzeugfeatures

Wann wird das autonome Fahren endlich möglich sein? Werden wir in zehn Jahren von Autos kutschiert, ohne etwas tun zu müssen? Was muss noch geschehen?

Zehn Jahre sind ein guter Zeithorizont, den man vielleicht gerade noch so absehen kann. Andererseits kann in zehn Jahren natürlich etwas passieren, dass alles verändert. Aber gehen wir mal von einer relativ stringenten Entwicklung aus, die sich an heute bemisst. Wenn man den Zeitraum zurückblickt, dann hat das Rennen um das autonome Fahren gerade erst angefangen. Vor zehn Jahren war Level 3 noch nicht erreichbar, aber man glaubte, dass man heute bereits über Level 4 verfügen würde. Gut, der Tesla-Chef Elon Musk glaubte damals schon, man würde Level 5 erreicht haben. Regelmäßig verkündete er, dass man bald soweit sein werde und heute steht Tesla nach wie vor auf Level 2. Vielleicht, das demonstriert der Vorfall zum Werbevideo von Tesla, wusste er es auch und wollte nur werbewirksam agieren.

 

Dass Tesla weit hinter dem eigenen Anspruch her hingt, hängt wohl auch mit der Sensorik zusammen. Tesla verzichtet auf Lidar, was die allermeisten Branchenbeteiligten als eine wichtige Grundlage erachten. Die Sensoren werden sich zweifelsfrei weiterentwickeln, dabei kommt es vor allem auf die Distanz an. Je weiter der Sensor blickt, desto schneller kann das Auto fahren. Die verschiedenen Sensoren dienen als Redundanz, falls etwas ausfällt. Aber sie sind für unterschiedliche Wetterlagen interessant, wobei schlechtes Wetter bis heute eines der Hauptprobleme für Sensoren sind. Daher werden die meisten autonomen Fahrzeuge im Süden der USA betrieben. Ein weiteres Sensorikproblem ist die Frage der Säuberung. Denn wenn ein Sensor dreckig ist, dann klappts auch mit der Wahrnehmung nicht so. Daher braucht es gerade auf längeren Strecken Reinigungssysteme.

Die Interpretation der Sensorik bedarf aber auch einer hohen Rechenkapazität. Hierbei hat man in den letzten Jahren stark zugelegt. Doch es braucht noch ein bisschen mehr, um die nötigen KIs zu betreiben. Es gibt natürlich die Möglichkeit, diese Daten per Vernetzung an ein Rechenzentrum zu schicken. Dort wird der Datensatz schneller analysiert als im Auto, doch das hat Datenschutzproblematiken und lass das Auto in ein Funkloch fahren. Diese Rechner werden eine Menge Strom verbrauchen, wie eine jüngere MIT-Studie herausfand. Das bringt uns zur nächsten Herausforderung für das autonome Fahren: Die Kombination von E-Auto und autonomes Fahren – das autonome E-Fahren. Die Batterien müssen nicht nur für die Distanz, sondern auch die hohen Rechenanforderungen Energie bereitstellen.

Die KIs, die die Navigation und die Sensorauswertung vornehmen, müssen gleichfalls noch verbessert werden. Das gelingt über Training und Maschinelles-Lernen, das immer neue Ideen hervorbringt. Vielleicht werden es eines Tages Maschinen sein, die Maschinen ausbilden und womöglich auch gleich bauen. Die Frage ist, wie weit wird der Mensch der Maschine vertrauen. Das bisschen Vertrauen, das heute existiert, legte einen weiten Weg zurück.

Der rechtliche Rahmen wurde in Deutschland bereits gesteckt, wie man nicht müde wird zu betonen. Doch noch gibt es die entsprechenden Fahrzeuge nicht und letztlich bleibt die Frage der Haftung im Raum. Wer haftet, wenn ein Roboterauto einen Menschen umfährt. Was wären die Konsequenzen? Die Frage der Haftung ist im Gesetz nicht genau geregelt. Hier gibt es massenhaften Bedarf für die Gerichte, wenn die Fahrzeuge auf der Straße sind. Ein Punkt dabei spiegelt die Problematik wider: Darf das eigene Auto gegen die Fahrenden aussagen? Und was, wenn die Produkthaftung zwischen Hersteller und Software-Schmiede hin- und hergeschoben wird?

Für die Entwicklung braucht es aber in erster Linie Geld. Viel Geld. Das war in der Zeit der niedrigen Zinsen reichlich vorhanden. Man spricht dabei ja auch vom billigen Geld. Doch diese Zeiten sind mit der Inflation vorbei. Das bemerkt man auch an der ersten Welle von Start-ups, die sich nicht mehr finanzieren können. Einige wurden aufgekauft, andere mussten schließen. Die großen Tech-Firmen, die die Entwicklung stärker prägten als die Fahrzeughersteller, entlassen derzeit ihre Belegschaften.

In zehn Jahren, so fürchte ich, wird es immer noch keine autonomen Privatfahrzeuge geben. Vielleicht im extremen Luxussegment, aber gewiss nicht für den Massenmarkt. Ich würde eher auf Züge oder den ÖPNV tippen. Deren Fahrzeuge werden schneller abgenutzt und eher ersetzt. Die Nutzfahrzeugbranche wird angesichts des Fachkräftemangels ebenfalls automatisiert. Aber vermutlich nur in kleinem Maßstab oder vielleicht nur in den USA?

David Fluhr

Ich schreibe seit 2011 über das Thema Autonomes & Vernetztes Fahren. Ich habe Sozialwissenschaften an der HU Berlin studiert und bin seit 2012 selbstständiger Journalist. Kontakt: mail@autonomes-fahren.de

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