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Informelle Kommunikation überbewertet?

Eine Studie der Universität Leeds zeigt auf, dass der Blickkontakt überbewertet sei.

Zur Bestätigung, dass die Fahrenden diejenigen gesehen haben, die die Straße überqueren, dient oftmals der Blickkontakt. Oder doch nicht? Wie steht es um diesen Sicherheitsblick, wenn im Auto niemand sitzt – es sich also um ein Autonomes Fahrzeug handelt? Diese informelle Kommunikation gilt es noch weiter zu erforschen. Doch der Sicherheitsaspekt dabei soll nicht so stark sein, als man bisher glaubte.

Fraunhofer Projektauto Kommunikation

In der Studie der Universität von Leeds, unter der Leitung von Prof. Dr. Natasha Merat und im Rahmen des von der EU finanzierten Projekts InterACT, wurde das Verhalten von Zufußgehenden und Radfahrenden eruiert. Dabei ging es konkret um das Verhalten an Kreuzungen im Straßenverkehr.

Das Ergebnis wurde in einem Vortrag auf einem Symposium in San Francisco zum Thema Autonomes Fahren erläutert. Dabei fand man heraus, dass der Blickkontakt weniger den Personen im Auto, als dem Auto an sich gilt. So erkenne man, ob das Auto reagiere und beispielsweise abbremse.

Die Erkenntnisse gewann man aus der Überprüfung der Blicke von Radfahrenden und Zufußgehenden an den Kreuzungen der Städte Athen, Leeds und München. Die Analyse konnte man auf Grund von Autosensoren vornehmen. Die Stadtauswahl sollte zeigen, ob es einen kulturellen Unterschied geben kann. Man fand dabei Unterschiede im Verhalten, aber nicht nur im Gefälle von Nord- und Süd-Europa, sondern auch innerhalb derselben Stadt.

Auch die restliche informelle Kommunikation, wie die Gestiken mit der Hand, wurden weniger beachtet, als das pure Verhalten, bzw. Richtung des ganzen Objekts oder Subjekts. Sowohl die Personen im Auto, als auch außerhalb achteten weniger auf die informelle Kommunikation, als vielmehr auf die Bewegung des Ganzen.

Die informelle Kommunikation, was die Wahrnehmung von Blick, Handzeichen oder dererlei mehr beinhaltet, wurde nur in Konfliktsituationen bei niedriger Geschwindigkeit relevant. Also nur dann, wenn eine Person nachgeben muss. Aber schon ab Geschwindigkeiten über 20 Stundenkilometer geht es nur noch um die Vermeidung von Zusammenstößen.

Dabei reagieren die Menschen gemäß dem Verkehrsfluss und zwar meist unüberlegt. Sie reagieren nicht im vollen Bewusstsein ihrer Tat. So, wie man nicht überlegt, welchen Gang man einlegt, sondern man schaltet einfach.

Dennoch, so die Leiterin der Forschungsarbeit, sollten Autonome Fahrzeuge eine Kommunikation mit der Außenwelt aufbauen. Das ist vor allem dann von besonderem Interesse für das Umfeld, wenn man den Grund des Handelns nicht erkennen kann. Warum also bremst das Auto, wenn nicht zum Auszuweichen eines Hindernisses.

Eine direkte Ansprache sollte aber vermieden werden, denn die Angesprochenen könnten sich nicht sicher sein, dass sie gemeint sind.

Viele Firmen forschen an der Kommunikation der Fahrzeuge mit dem Umfeld. Dabei setzt man vor allem auf Licht, aber auch auf die Einblendung von Symbolen – beispielsweise als Projektion durch die Scheinwerfer.

Quelle

David Fluhr: Ich schreibe seit 2011 über das Thema Autonomes & Vernetztes Fahren. Ich habe Sozialwissenschaften an der HU Berlin studiert und bin seit 2012 selbstständiger Journalist. Kontakt: mail@autonomes-fahren.de