San Francisco wehrt sich gegen Robotertaxis

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Cruise autonomes Auto Quelle: Cruise

San Francisco hat bei der California Public Utilities Commission (CPUC) offiziell eine Wiederholung der im August durchgeführte Anhörung zur Ausweitung der Robotaxi-Genehmigungen für Cruise und Waymo beantragt. 

Die CPUC erlaubte beiden Unternehmen, Cruise und Waymo, ihre kommerziellen Betriebstätigkeiten in der Stadt rund um die Uhr auszuweiten. Das gelang unter dem Protest der Stadt, die das immer noch zu verhindern sucht, da sie die weitreichenden Auswirkungen der Erweiterungen in Frage stellten.

Die Genehmigungen legen keine Einschränkungen hinsichtlich des geografischen Gebiets, der Betriebszeiten oder der Fahrzeugflottengröße fest, was nach Ansicht der Gegner dazu führen könnte, dass unzählige Robotaxis ungehindert auf den Straßen unterwegs sind. Es besteht auch keine Anforderung, dass Cruise oder Waymo Vorfälle von fehlerhaften Robotaxis und deren “Bricking” (Blockieren von Rettungseinsätzen) im Verkehr melden müssen.

Der Stadtanwalt von San Francisco, David Chiu, reichte den Antrag im Namen der städtischen Verkehrs- und Planungsbehörden ein. Chiu hatte bereits kurz nach der Anhörung der California Public Utilities Commission (CPUC) um eine vorübergehende Aussetzung der Erweiterungen gebeten, erhielt jedoch keine Antwort von der Behörde. Die Anträge der Stadt, die am Montag eingereicht wurden, wiederholen die Bitte um eine vorübergehende Aussetzung.

Chiu forderte die CPUC auf, ihre Entscheidung zu überdenken und warf der Behörde vor, einen fehlerhaften Genehmigungsprozess verwendet und die öffentlichen Sicherheitsrisiken und potenziellen Umweltauswirkungen autonomer Fahrzeuge ignoriert zu haben.

Die Hauptaufgabe der CPUC besteht darin, das öffentliche Interesse zu fördern, indem sie sichere, zuverlässige und bezahlbare Versorgungsdienste gewährleistet. Solange die Dienste von Cruise und Waymo diese Anforderungen erfüllen, hat die CPUC nicht die Befugnis, sie zu beschränken. Die Behörde stimmte im August für die Erweiterung der Genehmigungen, da sie keine signifikanten Sicherheitsrisiken durch die Robotaxi-Dienste erwartete.

Sowohl Fahrzeuge von Cruise als auch Waymo waren in Unfälle verwickelt, aber bisher ist niemand als Folge dieser Unfälle gestorben, und die Verletzungen waren minimal. Dennoch war ein Cruise-Fahrzeug nach der CPUC-Anhörung in einen Unfall mit einem Feuerwehrwagen verwickelt, bei dem ein Fahrgast verletzt wurde. Das California Department of Motor Vehicles (DMV) ordnete an, dass Cruise seine Fahrzeugflotte sofort um 50 % reduziert, während es diese Vorfälle untersucht.

Die meisten anderen dieser Vorfälle in der jüngeren Vergangenheit betrafen hauptsächlich Cruise-Fahrzeuge, die mitten auf öffentlichen Straßen ausgefallen sind.  Die öffentliche Kritik an Cruise erreichte Anfang September ihren Höhepunkt, nachdem ein Bericht der San Francisco Fire Department Cruise beschuldigte, einen Krankenwagen zu blockieren. Darin befand sich ein Patient, der später starb. Die Anschuldigung wurde von Cruise bestritten. Die Feuerwehr klärte später, dass Cruise nicht schuld war.

Dennoch war der Ruf von Cruise beschädigt, und der Vorfall verdeutlichte, was passieren könnte, wenn ein Cruise-Fahrzeug beispielsweise auf einer Einbahnstraße mit minimalem Platz vor einem Krankenwagen ausfallen würde.

Cruise und Waymo teilten jedoch einige Daten während eines Treffens im August mit städtischen Interessengruppen und der CPUC, um Bedenken vor der Abstimmung der Behörde anzusprechen. Laut den Daten von Cruise gab es vom 1. Januar bis zum 18. Juli 2023 insgesamt 177 Abholungen von Fahrzeugen. Dabei werden stehengebliebene Autos eingesammelt. Die durchschnittliche Zeit dafür betrug 14 Minuten. Waymo erklärte 58 Abholvorgänge mit einer durchschnittlichen Lösungszeit von 10 Minuten vom 1. Januar bis zum 30. Juni 2023.

Die städtischen Behörden sagten jedoch, dass diese Vorfälle nur einen Teil der Gesamtzahl unerwarteter Stopps ausmachen. Zwischen April 2022 und April 2023 sammelte die San Francisco Municipal Transportation Agency insgesamt 261 Vorfälle mit einem Cruise-Fahrzeug und 85 mit einem Waymo. Diese Vorfälle umfassten verschiedene Arten von Fahrverhalten, darunter unerwartete Stopps, rücksichtsloses Fahren, Probleme bei der Abholung und Abgabe sowie Unfälle.

Die Anwaltskanzlei der Stadt fordert die CPUC nicht nur auf, neue Meldepflichten für AV-Unternehmen einzuführen, sondern auch, dass diese Berichte ohne Schwärzungen veröffentlicht werden. Der Antrag fordert auch die CPUC auf, sicherzustellen, dass die Ausweitung von autonomem Fahren schrittweise und leistungsabhängig erfolgt, um Gefahren für die Öffentlichkeit zu meiden.

David Fluhr

Ich schreibe seit 2011 über das Thema Autonomes & Vernetztes Fahren. Ich habe Sozialwissenschaften an der HU Berlin studiert und bin seit 2012 selbstständiger Journalist. Kontakt: mail@autonomes-fahren.de

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