NTSB-Bericht zum Tesla-Unfall und die Verbesserungsvorschläge

Der NTSB-Bericht zu den tödlichen Tesla-Unfällen ist nun herausgekommen. Sowohl Tesla als auch die Behörden werden kritisiert.

Der E-Autobauer Tesla vertreibt seine Autos mit dem sogenannten Autopiloten. Dabei handelt es sich um ein Assistenzsystem der Stufe 2, das das Auto in Teilen automatisiert. Es fährt derart von selbst über die Autobahn, doch es kann arge Fehler machen. Daher sind die Fahrenden verpflichtet, die Hände immer am Lenkrad zu haben und den Verkehr zu beobachten.

Tesla hinten

Doch es ist offenbar verführerisch, sich während der Fahrt anderen Dingen zu widmen. Es gab bereits Personen, die im Auto während der Fahrt geschlafen haben oder sich anderen Dingen gewidmet haben. In manchen Fällen führte dieses Verhalten zu Unfällen, die in einigen Fällen auch tödlich ausgingen.

Auch der von der National Transportation Safety Board (kurz: NTSB) untersuchte Vorfall vom März 2018 endete tödlich. Eine Person fuhr auf der Autobahn und plötzlich lenkte das Auto nach links und fuhr mit fast 120 Stundenkilometern auf eine Trennwand auf der Autobahn auf. Der Fahrer überlebte den Unfall nicht. Es war einer von vier Unfällen, die das NTSB untersuchte. Schon zuvor untersuchte man auch den tödlichen Unfall des Uber-Testwagens.

Auf einer Sitzung gab man die Details der Untersuchungsergebnisse bekannt. Diese zeichnen ein sicherheitsdefizitäres Bild der Technik und der gesetzlichen Regelungen. Im Endeffekt gab man neun Sicherheitsempfehlungen für die NHTSA, die OSHA und SAE sowie die Hersteller. Diese Empfehlungen gesellen sich zu den bereits geäußerten Empfehlungen im Zusammenhang mit dem Uber-Vorfall.

Den Grund für den Unfall sieht man einerseits in den begrenzten Fähigkeiten des Tesla-Autopilot-Systems in Kombination mit dem übermäßigen Vertrauen des Fahrers in diese Technik. Wahrscheinlich beschäftigte er sich während der Fahrt mit seinem Smartphone. Teslas Maßnahmen, wonachdie Menschen sich auf den Verkehr konzentrieren müssten, würden zu kurz greifen. Es gibt nur einen Alarm, wenn man die Hände vom Lenkrad nimmt. So ist denn die eigentliche Unfallursache die Ablenkung.

Auch die California Highway Patrol wurde in dem Bericht kritisiert. Die Leitplanke auf der Autobahn, auf die der Fahrer auffuhr, war vor dem Zeitpunkt des Unfalls beschädigt und das führte zu der Schwere des Unfalls. Insgesamt konstatierte die Behörde, dass es derzeit kein Autonomes Fahrzeug in den USA gibt, das man kaufen kann. Tesla wirbt gerne damit, dass seine Autos selbstfahrend sind, was sie de facto aber nicht sind.

Der ausgelesene Speicher des Wagens gab Auskunft darüber, dass eine Geschwindigkeitsregelung von 120 Stundenkilometer eingestellt war. Das Fahrzeug folgte einem anderen Fahrzeug mit einem Abstand von 25 Metern mit etwas geringerer Geschwindigkeit bei 110 Stundenkilometern. Als das Auto abbog, gab es kein derartiges Verhalten vom Fahrer. Das Auto beschleunigte auf 120 km/h, da es das vorausfahrende Auto nicht mehr wahrnahm. Es wurde kein Alarm ausgelöst und die Autonome Notbremse wurde nicht aktiviert. Auch der Fahrer unternahm nichts, um den Unfall zu verhindern.

Sieben Unfallursachen des NTSB:

Da das Smartphone zum Zeitpunkt des Unfalls genutzt war, geht man davon aus, dass der Fahrer auf dem Handy ein Spiel spielte. So war Ablenkung eine der sieben Sicherheitsprobleme. Der Mann war ein Spieleentwickler bei Apple. Apple selbst verfügte keine Richtlinie, die die Verwendung von Mobiltelefonen während der Fahrt verhinderte. Außerdem sollten solche Geräte während der Fahrt nicht genutzt werden können.

Der zweite Punkt des NTSB ist, dass man die Fahrenden während der Nutzung eines solchen Systems nicht überwacht. Warnungen hätten zu dem Zeitpunkt nicht mehr ausgereicht. Hier sollte Tesla ein Konzept nachreichen. Tatsächlich wurde eine derartige Überwachung durch die Führungsriege von Tesla abgelehnt.

Der dritte Kritikpunkt richtet sich ebenfalls an Tesla. Man sollte das System Autopilot, gemäß der bekannten Einschränkungen, nur da verwenden, wo es das System zulässt. Außerhalb der Bereiche sollte das System nicht aktiv geschaltet werden können. Das System Autopilot sollte also nur dort genutzt werden, wo es für die Fahrt geeignet ist. Die NHTSA sollte eine Methode der Überprüfung entwickeln.

Viertens: Die Kollisionsvermeidungssysteme des Teslas waren nicht darauf ausgelegt, die Trennwand (Leitplanke) zu erkennen, und haben ihn auch nicht erkannt. Das führte zur Beschleunigung, daher wurde kein Alarm ausgelöst und die Notbremse blieb deaktiviert. Solche Hindernisse müssten für eine Nutzung im Hochgeschwindigkeitsbereich aber erkannt werden.

Fünftens: Das US-Verkehrsministerium und die NHTSA sollten Regeln für die Nutzung automatisierter Fahrzeuge aufstellen. Dabei sollte ein Missbrauch des Systems unterbunden sein. Es bräuchte eine vorausschauende Risikoanalyse und eine weitere Evaluierung des Tesla Autopilot-Systems, um sicherzustellen, dass die eingesetzte Technologie kein unangemessenes Sicherheitsrisiko darstellt.

Der sechste Punkt bezieht sich auf die Blackbox. Moderne Assistenzsysteme, vor allem mit Blick auf die Teilautomatisierung, sollten sicherheitsrelevante Daten erfassen. Der Zugriff sollte zudem standardisiert sein. Derzeit bieten die Hersteller nur begrenzen Zugriff.

Der siebte und letzte Punkt wendet sich an die Behörden. Die Autobahninfrastruktur sollte instand gehalten werden. Die Leitplanke zum Trennen der Fahrbahnen war zum Zeitpunkt des Unfalls nicht völlig intakt.

Daraus ergeben sich neun Sicherheitsempfehlungen der NTSB, um die Sicherheit zu gewährleisten.

  • Erweiterung des NHTSA New Car Assessment Program zur Prüfung der Leistung des Systems zur Vermeidung Kollisionen.
  • Überprüfung der mit dem Autopilot-System ausgestatteten Tesla-Fahrzeuge nach Kriterien der Betriebsbeschränkungen und der Prognose des Missbrauchs.
  • Standards für die Überwachung der Fahrenden.
  • Richtlinien für die Nutzung des Smartphones während der Fahrt.
  • Durchsetzungsstrategien für Arbeitgebenden gegen die Ablenkung beim Fahren.
  • Entwicklung eines Sperrmechanismus für elektronische Geräte während der Fahrt.
  • Verbot für Nutzung solcher Geräte in Firmenfahrzeugen und Verwendung von sicheren Kommunikationsmöglichkeiten.

Der komplette Bericht wird in den kommenden Wochen online gestellt.

Die Verbraucherschutzorganisation Consumer Reports fordert die Autoindustrie angesichts des Reports auf, erhebliche Sicherheitsverbesserungen vorzunehmen. Dabei sollte es verpflichtende Regeln geben. Die Freiwilligkeit sollte beendet werden.

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