Ist die Autonomie nachrüstbar?

Wenn das Autonome Fahren erstmal marktreif ist, lässt sich mein altes Auto damit nachrüsten?

Es ist noch ein weiter Weg bis zum seriellen Autonomen Fahren und bis dahin werden viele ihr Auto bereits gefunden haben. Könnte man dann seinen Wagen nachträglich automatisieren? Schließlich kauft man sich nicht jedes Jahr ein neues Auto.

Lidarsensor auf Dach

Lidarsensor auf dem Dach

Schon jetzt gibt es Lösungen für eine nachträgliche Automatisierung von Fahrzeugen. Einige Firmen haben sich darauf spezialisiert, wie Comma.ai oder auch Cruise Automation. Letztere wurde aber von General Motors aufgekauft und ist damit vom Markt. Auch bei der Vernetzung der Fahrzeuge kann man sich heute schon nachrüsten. So bietet beispielsweise der Hersteller VW eine Nachrüstmöglichkeit an, die jedoch nur mit Fahrzeugen ab dem Baujahr 2008 geht. Eine weitere Einschränkung ist, dass es nicht bei allen Fahrzeugen möglich ist.

Und das ist im Prinzip auch dann der Fall, wenn das Autonome Fahren in Serie produziert wird. Denn man braucht einiges an Equipment, um das Fahrzeug dann auf Level 5 zu bekommen – zumindest aus heutiger Sicht. Das könnte sich sicherlich noch ändern, aber das wird es vermutlich nicht.

Letztlich ist es bestimmt möglich, aber es bedarf dann vermutlich einer Reihe von Umbauten, die ins Geld gehen dürften. So braucht man – zumindest aus heutiger Sicht – einen Lidar für die Umwelterkennung und Positionsbestimmung. Diese Geräte werden derzeit günstiger, da man auf bewegliche Teile verzichtet. Sie sind in dem meisten Fällen nicht eingebaut, da sie recht teuer sind. Diese Solid-State Lidarsysteme braucht man aber dennoch, auch wenn sie günstiger ausfallen. Sie müssten nicht nur eingebaut werden, sondern auch mit den Assistenzsystemen verbunden werden.

Schon heute verfügen die modernen Autos über eine Reihe von Assistenzsystemen und Sensoren. Auch GPS ist meistens verbaut, schon alleine für den eCall der bei einem Unfall die Position des Wagens an die Rettungskräfte weitergibt. Diese vorhandenen Sensoren müssten also um die nötigen Sensoren erweitert werden.

Und wenn man etwas nachträglich reinmacht, kann es zu Fehlern kommen. Das zeigt auch die Entwicklung der Abbiegeassistenten. Diese sollen ja freiwillig nachgerüstet werden, doch wie eine Studie herausfand verursachen sie mehr Fehlalarme, wenn sie nicht von vorne herein eingebaut waren. Jedoch gibt es auch schon Scheinwerfer mit integriertem Lidar, da die Neuentwicklungen auch klein sind. Heute sind die meisten noch auf dem Dach zu finden – zumindest bei den Testwägen. Das wird sich künftig ändern und so könnte man zur Integration einfach die Scheinwerfer wechseln und die Verbindungen zu einer Steuereinheit ziehen.

Die Software wird wohl einfacher zu integrieren sein, das kann man schon heute via OTA (Over the Air) tun – also kabellos. Mit der Verbesserung der Künstlichen Intelligenzen wird die Steuerung der Fahrzeuge sicherlich auch besser, schließlich wird es damit überhaupt erst möglich werden, das Autonome Fahren so schnell in Serie zu bringen. Dabei lernt die KI ja und wird den Menschen dahingehend auch ersetzen können. Auch der FPGA Ansatz ermöglicht eine schnellere Entwicklung und OTA Verbesserungen, ohne die Hardware auszutauschen.

Vielleicht braucht es daher in der Zukunft vielleicht gar keinen Lidar mehr, denn eine Kamera mit integrierter Künstlicher Intelligenz könnte es bewerkstelligen, den Lidar zu ersetzen und daran arbeitet man ja bereits, wie beispielsweise Continental. Und es gibt von beispielsweise Audi einen Algorithmus, der es erlauben würde, aus einer Monokamera ein 3D Bild zu generieren. Dafür braucht es bislang immer einen Lidarsensor.

Langer Text, kurzer Sinn: Es wird wohl möglich werden, aber ob es sich finanziell lohnt, steht auf einem anderen Blatt.

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