Autonomes Fahren | Stand 2014 – Rechtliches, Datenschutz & EU

Heute nun kommt der zweite Teil des Berichts zum Stand des Autonomen Fahrens, mit der Betrachtung des Rechtlichen bis zum Ausblick.

In dem letzten Artikel beschrieb ich den Stand zum Autonomen Fahren 2014 mit dem Fokus auf Assistenzsystemen, Vernetzung, Infrastruktur, Kooperationsvorgänge und der Standardisierung. Im Weiteren geht es nun um das Rechtliche, die Insassenüberwachung und den Datenschutz im Autonomen Fahrzeug, sowie den Einsatz im urbanen Feld.

Volvo Infrarotkontrolle

Rechtliches und Haftung für Autonome Fahrzeuge

Wo man bei der technischen Seite bereits weit ist, aber noch weit weg vom Ziel, spielt das Rechtliche noch eine gewichtige Rolle. Zwar hat man vor Kurzem das Wiener Abkommen durch Assistenzsysteme erweitert, doch dürfen die Fahrzeuge völlig autonom nur bis 10 km/h fahren, was noch geändert werden muss. Das kommt aber auch noch auf die nationalen Gesetzgebungsverfahren zu.

In diesem Zusammenhang ist auch die Haftung der Autonom agierenden Fahrzeuge ungeklärt. Was, wenn das Computerauto doch mal einen Unfall baut oder gar verursacht? Da dies qua Software läuft, lässt es sich schnell herausfinden wo der Fehler liegt, aber kann ein Computer haften? Manche wollen das Roboterauto vor Gericht ziehen, sodass der Programmierer oder Autohersteller haftet. Das findet nicht überall Anklang. Andere wollen ein Konto für jedes Auto eröffnen, von dem bei dem unwahrscheinlichen Fall des Unfalls, Geld abgeht. Google hat sich dazu schon geäußert: Das ist ein Programmier- oder Produktionsfehler, so muss der entsprechende Hersteller haften. In Deutschland kümmert sich Autonomik zu diesem Thema, bisher jedoch ohne viel Aufmerksamkeit.

Die Frage interessiert natürlich auch die Versicherungen, aber nicht nur dafür, sondern auch für die Daten des Autos. Denn damit will man neue Versicherungsverträge, also individuelle, bereitstellen. Je nach dem wie jemand fährt, kann die Versicherungspolice preislich einsortiert werden.

Ziel bis 2020 – Null Verkehrstote in der EU

Die EU hat sich das Ziel gesetzt, bis 2020 soll es innerhalb Europas keine Verkehrstoten geben. Das ausgegebene Motto heißt also Vision Zero. Dazu gibt es verschiedene Herangehensweisen, vor allem was den Alkohol im Straßenverkehr angeht, aber auch die Assistenzsysteme betreffend. Eine US Studie belegte, dass schon mit heute existierenden Assistenzsystemen, 40 Prozent der Unfälle in der Vergangenheit vermeidbar gewesen wären.

Das Ziel der Null Verkehrstoten gilt übrigens auch für den Betriebsverkehr, wo der Einsatz autonomer Systeme bis 10 km/h oftmals schon heute Realität ist. So beispielsweise am Hafen in Hamburg oder in Zusammenarbeit mit der Uni Ulm.

Google und die anderen

Auch wenn Google immer für viel Aufsehen sorgt, vermutlich auch deswegen, weil Google kein Autohersteller ist, so ist Google (m.E.) nicht das Maß der Dinge. Zwar hat man rechtliche Vorteile, denn die USA haben das Wiener Abkommen nicht unterschrieben und Google hat in ein paar US-Staaten bereits die Möglichkeit die Autonomen Fahrzeuge zu testen, aber Google benutzt sehr teuere Technik, wie das Lidar. Das funktioniert zwar besser, ist aber für den serienmäßigen Einsatz für “Normalsterbliche” nicht wirklich erschwingbar. Dafür hat Google bereits 100 Autonome Fahrzeuge im privaten Verkehr untergebracht. Unklar bleibt auch, ob Google wirklich selbst Autonome Autos herstellen will, sich für Autonome Luxus-Taxis entscheidet oder die Technik sonstwie monetarisieren will.

In Großbritannien jedenfalls will man viel Geld in die Hand nehmen um die Technik auf die Straße zu bekommen und in Deutschland warnt man davor, dass die USA davon laufen.

Fokus städtischer Verkehr

Zu dem Trend, dass immer mehr Menschen in die Städte ziehen, kommt der Verkehr der Stadt in den Fokus. Hierzu gibt es verschiedene Projekte, wie das UR:BAN, die Audi Urban Future Initiative, die Morgenstadt des Fraunhofer Instituts oder das Cite Projekt in den USA. Hierzu gehört zumeist die Verbindung des öffentlichen Nahverkehrs und der Einsatz von Car-Sharing  Modellen. Diese basieren wieder zumeist darauf, dass das Auto autonom fährt und es den zu Transportierenden abholt, sich selbstständig auftankt oder auflädt und sich auch selbstständig einen Parkplatz außerhalb der Stadt sucht. Das spart Platz und Verkehr in der Stadt. Auch die Parkplatzsuche fällt dann weg.

Überwachung der Fahrenden

Die meisten aktuellen Ansätze können den Menschen aus dem Auto, technisch gesehen, noch nicht wegdenken. Daher muss man diese unterstützen. Dafür muss man aber auch mehr über den Menschen am Steuer wissen. Nicht nur die Werte, die das Auto ohnehin sammelt, wie Strecke, Geschwindigkeit und dergleichen mehr, sondern auch die Konstitution des Fahrenden. Daher muss man die Menschen überwachen und so herausfinden, ob dieser konzentriert oder abgelenkt ist, müde oder klar und was man vor hat. Das Auto muss wissen, was der Mensch vor hat! Will dieser beispielsweise überholen, realisiert das Fahrzeug qua Infrarotkamera die Augen– und Kopfbewegung. Schaut der Mensch öfters auf das Auto der anderen vor ihm und schaut ob links frei ist, will er überholen. Jetzt sollte natürlich nicht der Spurhalte-Assistent anspringen – das würde den Menschen frustrieren und ihn letztlich zum Abschalten des Sicherheitssystems veranlassen.

Zudem weiß man schon, dass der Mensch bequem ist und noch bequemer wird, wenn er anfängt, sich auf das Auto zu verlassen. Daher will Google den Menschen aus dem Auto als handelnde Person entfernen.

Weitere Forschungsansätze gehen zur Überwachung aller Insassen, sodass man potentielle Gefahrenquellen ermessen kann. Und man will herausfinden, wie man das Vertrauen des Menschen in die Maschine verbessern kann. Daher arbeitet man an verbesserter Kommunikation über die Sprache oder einer ganzheitlichen Mensch-Maschinen Interaktion.

Datenschutz bei Autonomen Fahren

Nicht erst diese Überwachung bringt die Datenschützer auf den Plan. Wem gehören die Daten, fragten sich die Experten auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar, jedoch ohne Ergebnis. Auch die Politik befasste sich damit, aber so einig ist man sich nicht. Die Branche braucht die Daten, doch wieviel muss gesendet werden, wie viel gespeichert und wer darf das auslesen? Ungeklärte Fragen, auf deren Beantwortung aber viele warten; nicht zuletzt die Autohersteller – eine Grundbedingung für die weitergehende Forschung.

Außerdem müssen die Systeme so sicher sein, dass sie nicht manipulierbar sind. Da muss noch viel gearbeitet werden und diese Systeme müssen sich immer wieder selbst updaten- was bei einigen Herstellern, wie BMW, bereits eine Sicherheitslücke ist.

Head-Up-Display & Augmented Reality

Das Head-Up-Display gehört schon jetzt zu vielen Fahrzeugen und man kann sie auch ohne Bordcomputer kaufen und einbauen (siehe rechte Seite ganz oben). Ohne dass man die Augen großartig aus dem Verkehr nehmen muss, bekommt man wichtige Infos in die Augennähe: Geschwindigkeit, Richtung, Geschwindigkeitslimits und dergleichen mehr. Jedoch geht es noch besser: Augmented Reality. Hier versucht man die Informationen auf die Windschutzscheibe zu projizieren, obwohl es so aussieht als wäre die Grafik auf der Straße. Continental hat das Augmented Reality System zur Bestreife gebracht.

Ausblick auf die Einführung des Autonomen Autos

Gibt es schon Autonome Fahrzeuge? Die Antwort ist nein! Es gibt schon Prototypen die hochautonom sind, aber vollens Autonom sind noch keine erhältlichen Fahrzeuge. Es gibt noch zuviele Verkehrssituationen, bei denen der Computer aufgeben und dem Menschen das Steuer wieder in die Hand geben muss. Hier stellt sich natürlich die Frage, wieviel Zeit braucht ein Mensch um die Kontrolle wieder zu erlangen? Es gibt also neben den technischen und rechtlichen Schwierigkeiten auch noch menschliche Probleme. Der Einfluss von Assistenzsystemen auf den fahrenden Menschen ist noch nicht ganz erforscht, aber schon ist klar, dass es nicht ganz so einfach sein wird.

Wann wird es also Autonome Autos geben? Während noch vor einem Jahr viele glaubten, dass es bis 2020 bei Nissan, 2025 bei anderen, vollautonome Autos gibt, ist man heute etwas ernüchtert. Heute, wenn auch hinter vorgehaltener Hand, hört man eher 2035 oder 2045 als Einführungsjahr für Vollautonome Fahrzeuge, aber genau kann es sicherlich niemand sagen.

Autonomes Fahren macht Urlaub

Der Grund für meine Zusammenfassung ist auch der, dass ich jetzt erst einmal eine Woche im Urlaub bin und in der Zeit kein neuer Artikel erscheint. Ich hoffe Du bleibst mir als Leser in einer Woche noch erhalten und verbleibe bis dahin in Entspannung und auf der Suche nach Neuigkeiten für Autonomes Fahren. Schau doch einfach mal ins Archiv, es gibt viele interessante News!

Danke für’s reinklicken!

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2 Responses to Autonomes Fahren | Stand 2014 – Rechtliches, Datenschutz & EU

  1. L. F. Juni 4, 2015 at 8:51 am #

    Hey David!
    Deine Artikel sind sehr informativ und helfen mir wirklich unheimlich weiter!
    Vielen Dank. 🙂

  2. David Flora Juni 4, 2015 at 9:25 am #

    Danke! Das freut mich 🙂