Ältere und Behinderte im Fokus

Warum kümmern sich immer mehr Firmen, die sich mit dem Autonomen Fahren beschäftigen, um Ältere und Behinderte?

In jüngster Zeit erhöhen Branchenbeteiligte wie Lyft und Aptiv mit ihrem Robotertaxi-Service ihr Engagement, sehbeeinträchtigte Menschen stärker zu integrieren. Das Startup May Mobility hat den Zugang für Menschen mit Rollstühlen verbessert und das Mitnehmen dieser Hilfsmittel verbessert.

Die Bevölkerungsgruppen sind keine finanziell starke Kundschaft und sie stellen keine kommerziell wichtige Gruppe dar. Jedoch macht man sich deren Prestige zu eigen und erhöht damit das Vertrauen in die Technik des Autonomen Fahrens.

Das häufig angeführte Argument ist, dass das Autonome Fahren dazu führen kann, dass Menschen, die bisher nicht am Individualverkehr teilnehmen konnten, nun dazu befähigt werden. Das gilt für Ältere, für Behinderte oder Menschen, die über keinen Führerschein verfügen. Das ist doch durchweg positiv und dagegen kann niemand sein. Es ist eine Art Joker, den man einsetzt, wenn es darum geht, die Technik positiv darzustellen.

Schon 2012 hat Google mit diesem Joker gearbeitet und relativ viel Medienaufmerksamkeit (in den USA) erhalten. Das inzwischen als Waymo bekannte Unternehmen kooperiert außerdem mit einigen Verbänden, um die Vorteile der Technik herauszukehren. Dazu gehört beispielsweise das Programm “Partner for Automated Vehicle Education“. Hier machen aber nicht nur Waymo, sondern auch Cruise Automation, Audi und Zoox mit.

Auch die Älteren werden von den Firmen umgarnt. So testet Voyage die Nutzung der Fahrzeuge für den Transport für Ältere. Dabei handelt es sich eher um eine kommerziell interessante Gruppe. Jedoch, das ergaben verschiedene Studien, haben die Älteren die meisten Hemmnisse in solche Fahrzeuge einzusteigen. Gerade hier muss man also ansetzen, um das Vertrauen aufzubauen. Wenn man das dicke Brett gebohrt hat, sind die anderen Bretter nicht mehr so schwer zu durchbohren.

Auch der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer rät den älteren Menschen, sie sollen doch auf Autonome Fahrzeuge zurückgreifen, wenn sie nicht mehr fahren können. Die mit wenig Charme betriebene Offensive vergisst allerdings, dass es noch Jahre dauern wird, bis die Technik marktreif ist. Von der Frage der Zulassung ganz zu schweigen. Dabei ging es auch eher darum, die Senioren bei der konservativen Partei zu halten, denn verschiedene Arbeitskreise fordern bei der Alterskohorte eine erneute Prüfung der Verkehrstauglichkeit.

Passt denn Technik und Ältere zusammen? Tatsächlich ergab eine Umfrage, dass Sicherheitssysteme bei den Älteren durchaus auf Interesse stößt. Auch Verkehrsverbände plädieren dafür. Aber dem Computer zuzutrauen, besser zu fahren als man es selbst kann, ist das dickste Brett. Jedoch wird die steigende Erfahrung mit der Technik, was andere Studien andeuten, von dem Vertrauen in die Technik begleitet. Diesen Effekt will die Branche ausnutzen.

Denn letztlich ist es das, worum es geht – das Vertrauen zu erhöhen. Denn ohne der Technik zu vertrauen, wird es niemand kaufen oder nutzen und damit würden sich die ganzen Forschungsausgaben nicht so schnell amortisieren.

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